Plädoyer für IT-Standards

Spätestens mit der Corona-Pandemie wurden die digitalen Defizite in den Schulen sichtbar. Im Juli wurde der DigitalPakt Schule um ein Sofortprogramm über 500 Millionen Euro ergänzt, um digitale Endgeräte auch den Schülerinnen und Schülern zugänglich zu machen, deren Eltern sich derartige Geräte nicht leisten können. Ein Ergebnis des Bildungsgipfels vom September war, dass Lehrerinnen und Lehrer nun Hard- und Software zur Verfügung gestellt wird. Anders ausgedrückt: Die Bildungsarbeitgeber beginnen, ihre Beschäftigten mit Arbeitsgeräten auszustatten. Auch die Einstellung und Ausbildung von Administratorinnen und Administratoren soll eine Anschubförderung erhalten; dieses Förderelement wird mit 500 Millionen Euro beziffert. Es ist beeindruckend, wie die Digitalisierung der Schulen in den letzten Monaten Fahrt aufgenommen hat. Dennoch bleibt noch Vieles, um das es zu streiten lohnt.

Lehrer steht vor einer alten Schultafel

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat mit der Verabschiedung Ihrer Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ im Dezember 2016 Leitplanken für die Justierung des Bildungsauftrages klug gesetzt. Diese Strategie ist die Basis dafür, dass nun Klarheit darüber herrscht, dass die Schulen mit IT-Infrastruktur, Geräten und digitalen Medien auszustatten sind. Schulträger haben es als ihre Aufgabe angenommen und rüsten ihre Schulen mit Breitbandanbindungen und Netzwerkinfrastrukturen aus.

Förderprogramme formen Quasi-Standards

Umfang und Qualität der IT-Ausstattung klaffen zwischen den einzelnen Schulen weit auseinander. Einheitliche Standards gibt es nicht; sie bilden sich partiell heraus, häufig durch Förderprogramme. Beispielsweise gilt als Standard einer angemessenen Breitbandkapazität 30 Mbit/s je Klasse. Dieser Wert ist die Basis von Fördermöglichkeiten, die aus der Bundesbreitbandförderung des Bundes seit Sommer 2017 für Schulen eingesetzt werden können. Allerdings verfügt bis heute noch längst nicht jedes Klassenzimmer über eine Breitbandversorgung von 30 Mbit/s.

Für die Support-Strukturen schulischer IT ist es ähnlich. Auf Basis der tradierten Vorgehensmodelle (ITIL/ISO 20000) entwickeln sich in den Schulen Standards heraus, die zielführend sind. In der Regel wird ein einfacher „First-Level-Support“ vor Ort in der Schule organisiert und danach greifen Supporteinheiten, die in der Verwaltung des Schulträgers oder beim kommunalen IT-Dienstleister angesiedelt sind. Service-Level-Agreements mit verbindlichen Reaktions- und Lösungszeiten für die IT-Infrastrukturen in den Schulen gibt es allerdings nicht flächendeckend und schon gar nicht auf einem einheitlichen oder vergleichbaren Niveau.

Klare Mindestanforderungen fehlen

Wie gut und wie schnell einheitliche Vorgaben wirken, hat die DSGVO gezeigt. Durch die verbindlichen Vorgaben hat Datenschutz in den Schulen flächendeckend zu einem sensiblen Umgang mit personenbezogen Daten geführt. Für Fragen der IT-Sicherheit ist ein hohes, beziehungsweise höheres Niveau unbedingt erforderlich. Auch hier gibt es mit dem IT-Grundschutz des BSI und dem ISO 27001 Standard einen geeigneten Rahmen. Bisweilen existiert allerdings noch nicht einmal ein – wie und wo auch immer verbrieftes –Commitment auf Mindeststandards, beispielsweise eines IT-Grundschutz-Profils für Schulen. Mit den Schulschließungen im Zuge der Corona-Pandemie wurde es zur schmerzhaften Erfahrung, dass es flächendeckende digitalen Lernumgebungen beziehungsweise digitale Cloud-Infrastrukturen für die Schulen fehlen. Auch wenn es mittlerweile in allen Bundesländern Festlegungen für die Bereitstellung von digitalen Lernumgebungen gibt, kann selbst auf Länderebene noch nicht von einem konsistenten Angebot gesprochen werden. An bundesweite Mindestanforderungen an die Leistungsfähigkeit der Systeme ist wohl noch nicht zu denken.

Aufgabe für IT-Dienstleister

Die Digitalisierung in den Schulen nimmt vielversprechende Formen an. Dazu zählen auch die Ziele, die in der jüngsten Ländervereinbarung der Kultusminister-Konferenz vom 15. Oktober 2020 beschlossen wurden. Dort schließt Artikel 14, Absatz 3, „Lernen in der digitalen Welt“: „Dabei verstärken die Länder ihre Zusammenarbeit und stimmen die inhaltliche Ausrichtung einer Bildung in der digitalen Welt sowie die zu erwerbenden Kompetenzen so auf- und miteinander ab, dass regionale Vielfalt und dezentrale Verantwortung mit länderübergreifenden Strategien verbunden werden.“ Es fehlt eigentlich nur noch das „Wer macht Was bis wann“.

Das Austarieren der Konfliktlinien der Bildungsautonomie der Schulen, der Feinjustierung des Bildungsauftrages, der Schulträgerkompetenzen in der sächlichen Ausstattung und den (neuen) Förderprogrammen des Bundes ist nur gewinnbringend, wenn der Streit in der Sache nicht zum Selbstzweck verkommt. Ein Schlüssel des Erfolges bei der Digitalisierung der Schulen werden maßvoll gesetzte und einheitliche Mindeststandards sein. Die kommunalen IT-Dienstleister als Bündel- und Kompetenzorganisationen sind hier die idealen Erfüllungsgehilfen, denen bei der Schaffung und Umsetzung von IT-Standards in den Schulen noch mehr zugemutet werden darf.

Der Beitrag erschien zuerst als Teil 4 der Serie: Digitale Bildung und Digitalpakt Schule in der „Vitako aktuell“

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